

Seit Jahrzehnten sind die großen Coupés von Mercedes-Benz ein Inbegriff für
Eleganz und Exklusivität im Automobilbau. Außergewöhnliches Design, wert-
volle Ausstattung und wegweisende Technologie fließen zu einer stilbildenden
Einheit zusammen. Dabei traten die Luxus-Coupés nicht als bloße Variante
der Limousinen auf, sondern als sichtbar individuelle Linie innerhalb der
Modellreihen.
Sie boten auch wegweisende Innovationen in der Automobiltechnik, beispiels-
weise 1995 mit dem Elektronischen Stabilitäts-Programm ESP®. Sie erstaunten
Designer und faszinierten zahllose Kunden in aller Welt. Dieses durchgängige
Prinzip der Eigenständigkeit reicht vom 300 S Coupé, das 1952 in die Serien-
produktion ging und in schönster Weise den Übergang von der Nachkriegszeit
zum Wirtschaftsboom symbolisierte, bis zum CL 500 von 1999, in dem das
Federungssystem Active Body Control Weltpre-miere feierte. Doch abgesehen
von aller technischen Raffinesse:
Die Coupés wecken auch Emotionen. Ihr Auftritt ist eine sinnliche Offensive.
Außergewöhnliche Automobile zu bauen, war bei Mercedes-Benz schon lange
vor dem Zweiten Weltkrieg eine ebenso sorgsam wie intensiv gepflegte
Tradition. Dazu gehören beispielsweise die sehr seltenen Coupé-Versionen
der Kompressorwagen mit dem Stern auf der Kühlerhaube, produziert in den
Zwanziger- und Dreißigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts.
Noch heute sind sie echte „Hingucker“ und begehrte Kulturzeugen jener Zeit,
die in ihrem Wert und in ihrer Bedeutung den Vergleich mit kostbaren Ge-
mälden nicht scheuen müssen. An diese Tradition knüpfte Mercedes-Benz an,
als nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, auf dem Pariser
Autosalon im Oktober 1951, das 300 S Coupé präsentiert wurde, das Ober-
klasse-Coupé der Modellreihe W 188. Die allgemeine Begeisterung gipfelte
im Urteil der Fachpresse; die Rede war vom „Wagen für die Weltelite“. Die
interessierte Öffentlichkeit war aber auch überrascht, da niemand erwartet
hatte, dass ein deutscher Automobilhersteller quasi aus dem Stand heraus
den Übergang schafft von der Mangelwirtschaft in Kriegszeiten zur reibungs-
losen Produktion von exklusiven Oberklassefahrzeugen.
Das 300 S Coupé, das im Sommer 1952 in Serie ging, setzte diesem optimi-
stischen Fingerzeig für den wirtschaftlichen Aufbruch die Krone auf. Nicht nur,
dass Mercedes-Benz mit dem Erfolg unter Beweis stellte, dass es sich lohnte,
schöpferisches Potenzial in die Zukunft zu investieren. Das 300 S Coupé zeigte
auch, dass es selbst in schwierigen Zeiten einen Markt gibt für sehr exklusive
Produkte.
Selbstverständlich war dies damals nicht. Luxus war zwar kein Fremdwort,
aber ein sehr ferner Begriff für die meisten Zeitgenossen. Die Straßen und
das Straßennetz des Jahres 1952 waren alles andere als mustergültig ausge-
baut. Die Kommunikationstechnik steckte noch in den Kinderschuhen.
In jenem Jahr 1952 beispielsweise begann in Westdeutschland die Umstellung
von der Handvermittlung auf den Selbstwähldienst für Ferngespräche. Damit
ging das legendäre „Fräulein vom Amt“ in Pension. Auch das Fernsehzeitalter
begann zaghaft, zunächst nur in Schwarz-Weiß. Diese bescheidenen Schritte
erweisen sich im Rückblick als Pionierleistungen. Vor diesem Hintergrund
repräsentierte das Mercedes-Benz 300 S Coupé ein Kulturphänomen:
Es vereinte gelungenes Design, exklusive Ausstattung und das zeitgenössische
Optimum der Fahrzeugtechnologie zu einer stilbildenden Einheit. In gewisser
Weise war es ein Fenster in die Zukunft des Automobils.
Und es markierte den Beginn einer neuen Tradition bei Mercedes-Benz, die bis
zum heutigen Tag lebendig ist: die Tradition der modernen Coupés mit ihrer
visionären Symbiose aus Perfektion und Emotion.